Frische Lebensmittel aus der Region – für viele das Ideal beim Einkaufen. Und Südhessen  hat hier einiges zu bieten: Vom Stadtteilmarkt über den Hofladen mit Café bis zum Imker oder Schäfer, der seine Produkte direkt vermarktet, suchen viele Produzenten den  unmittelbaren Kontakt zum Kunden. Wir haben uns für euch umgeschaut auf dem Markt der regionalen Lebensmittel.

Spätestens seit Anfang Mai ist es wieder so weit: An Landstraßen und in den Innenstädten bieten Bauern ihren Spargel und eigene Erdbeeren zum Verkauf. Direkt vom Erzeuger zum Verbraucher – dieser Vertriebsweg liegt voll im Trend. Denn immer mehr Kunden legen großen Wert auf die regionale Herkunft ihrer Nahrung. Über 60 Prozent, so eine Studie der Unternehmensberatung A. T. Kearney, kaufen wöchentlich regionale Lebensmittel, Tendenz steigend. Damit spielt Regionalität eine größere Rolle als der Bio-Aspekt, und zwar besonders bei Obst, Gemüse und Fleisch.

 Regional macht Sinn

Geschmack und Frische – das sind die Argumente, wegen derer regionale Lebensmittel bei Verbrauchern so hoch im Kurs  stehen. Obst, das in der Saison reif geerntet wird und schon kurz darauf im Einkaufskorb  liegt, schmeckt einfach besser. Und ist auch gesünder, weil es  den höchsten Gehalt an  Vitaminen enthält und weitgereiste Früchte außerdem oft behandelt wurden, um den  langen Transport zu überstehen. Dazu kommt, dass ein direkter Kontakt mit dem Erzeuger  am Marktstand oder im Hofladen Transparenz schafft: Nachfragen, wie die Hühner gehalten werden oder ob die Kartoffeln aus der neuen Saison sind: alles kein Problem. Nicht nur  Familien mit Kindern schätzen es, dass Lebensmittelproduktion so ein „Gesicht“ bekommt, dass wir wissen, woher die Waren stammen, die wir täglich essen. Es sind, gerade bei uns in Südhessen, oft kleine bäuerliche Familienbetriebe, die man so unterstützt. Und damit  zugleich auch ein bisschen Landschaftspflege betreibt, weil hier oft extensive Heidehaltung bevorzugt wird und die Früchte auf Streuobstwiesen wachsen. Wer regional einkauft, sorgt mit dafür, dass Arbeitsplätze vor Ort geschaffen und erhalten werden und die  Wertschöpfung in der Region bleibt, statt in die Taschen großer Handelsketten oder Zwischenhändler zu fließen. Aufs große Ganze gesehen, tragen die kurzen Wege vom Acker bis zum Kunden dazu  bei, dass sich Energieverbrauch, Emissionen und Verkehrsaufkommen beim Transport   reduzieren und so das Klima geschont wird. Auch werden Verpackungsaufwand und Müll reduziert, wenn die Gurken nicht in Folie und die Birnen nicht in Plastikschale daherkommen. Und wir Kunden profitieren bei regionalen Produkten von einer Vielfalt, die das Supermarkt-Einheitsangebot oft nicht bieten kann: Am Marktstand oder in der Gemüsekiste haben wir die Chance auf Kartoffeln mit Nase, saftig-süße Mini-Äpfel oder „zweibeinige“ Karotten, die andernorts aussortiert worden wären, und kommen in den Genuss regionalspezifischer,  typischer Rezepturen.

Saisonal und nachhaltig

Es ist schon angeklungen: Regionale Lebensmittel sind auch ein Beitrag zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Eng damit verbunden ist das saisonale Einkaufen. Die ständige Verfügbarkeit  von Import-Früchten lässt uns manchmal vergessen, wann die einzelnen Obstsorten hierzulande überhaupt Saison haben. Dem will der Saisonkalender der Verbraucherzentrale entgegenwirken (www.verbraucherzentrale.de/saisonkalender). Er zeigt auch, in welchen  Monaten bei heimischem Gemüse die Chance auf Freilandware am höchsten ist, denn die  Art des Anbaus muss – im Unterschied zum Herkunftsland – bei Obst und Gemüse nicht angegeben werden. Genauso wenig ist beim Kauf erkennbar, ob die rotbackigen Äpfel vielleicht schon monatelang im Kühlhaus gelagert wurden. Ein Teil der Bauern und  Produzenten in Südhessen und dem Odenwald ist dem Aspekt der Nachhaltigkeit besonders  verpflichtet, sie wirtschaften nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus. Ihre Produkte dürfen das EU-Bio-Logo (grünes Sternchen-Blatt) und das sechseckige deutsche Bio-Siegel  tragen. Beide stehen für die Standards der EG-Öko-Verordnung: keine Bestrahlung, keine gentechnisch veränderten Organismen, enge Beschränkungen bei Pflanzenschutz- und  Düngemitteln. Außerdem ist genau festgelegt, welche Zusatzstoffe im fertigen Produkt   zulässig sind. Die Haltung von Tieren auf dem Bio-Bauernhof orientiert sich an deren  natürlichen Verhaltensbedürfnissen. Viele Bio-Produkte tragen zusätzlich das Siegel eines Bio-Anbauverbands, zum Beispiel Bioland, Naturland oder Demeter. Deren Anforderungen  gehen über die Mindeststandards der EU-Öko-Verordnung hinaus. So müssen 100 statt nur  95 Prozent der Zutaten ökologischer Herkunft sein, es sind noch weniger Zusatzstoffe  erlaubt und auch bei Tierhaltung, Dünger und Pflanzenschutzmitteln sind die Regeln strenger.

Markt für Regionales

Das Einkaufen bei regionalen Anbietern hat teilweise eine lange Tradition. Schon von alters her beschicken Bauern die Märkte der Umgebung. So sind in den Städten und Gemeinden der Region Wochen- und Stadtteilmärkte fest etabliert und bieten regelmäßig regionale  Lebensmittel und mehr – ein kleiner Plausch mit Marktfrau und Landwirt inklusive. ›Datterichs-Wochenmarkt‹ auf dem Darmstädter Marktplatz ist dafür gut geeignet: Am ersten Samstag im Monat gibt es hier neben den „normalen“ Verkaufsständen auch Möglichkeiten zur Verkostung, Musik, Foodtrucks und andere Aktionen. Eine Übersicht über Markt-Plätze im Landkreis findet ihr unter www.ladadi.de („Wochenmärkte“ in Suchfunktion eingeben). Auch Familien, die den Großeinkauf lieber im Supermarkt erledigen, finden dort eine große Auswahl an regionalen Lebensmitteln. Teilweise wird Ware aus der Gegend  besonders präsentiert, unter einem eigenen Label oder in einem extra Regal. Aber Achtung:  Nicht alles, was mit „Region“, „Nähe“ oder „Heimat“ vermarktet wird, kommt auch vom  Bauern um die Ecke. Manchmal wird Regionalität sehr großzügig interpretiert und umfasst viele hundert Kilometer. Ein Blick auf die Herkunft eines Produkts lohnt sich immer: In der  Obstauslage entdeckt man dann die Übersee-Äpfel, auch wenn in Deutschland gerade  Erntezeit ist, genauso aber ganz beiläufig beim Discounter leckeren Spargel aus Weiterstadt. Wer den unmittelbaren Kontakt zum Hersteller sucht, holt seine Lebensmittel beim  Produzenten ab. Unter den Direktvermarktern sind besonders die Hofläden  landwirtschaftlicher Betriebe beliebt, bieten sie doch spannende Einblicke in Produktion und  Landleben. Ob der Demeter-Eichwaldhof südlich von Griesheim, die Schäferei Keller in  Michelstadt-Rehbach oder die Molkerei Hüttenthal in Mossautal – Frische und Authentizität sind garantiert. Manche Landwirte bieten ihre Produkte auch in festen Verkaufsstellen in der  Stadt an, so zum Beispiel Obstbau Geibel mit seinem Bauernladen am Donnersbergring in Darmstadt. Ein neuer Trend aus Frankreich will auch hierzulande Erzeugern neue  Vertriebswege bieten: Bei einer Food Assembly schließen sich Landwirte, Imker und Co. online mit Kunden zu einer Gemeinschaft zusammen. Auf einer Website füllt man seinen  virtuellen Warenkorb, die echten Waren holt man bei den wöchentlichen Treffen ab, die ein Gastgeber organisiert. In Wiesbaden (Abholort: Schlachthof) ist derzeit eine Assembly im Aufbau. Infos: www.thefoodassembly.com/de Ihr liebt es bequem? Dann ist ein  Lieferservice  für regionale Lebensmittel das Richtige! Anbieter wie die Gemüsekiste  (www.diegemuesekiste.de) bringen Obst und Gemüse, aber auch Eier, Brot und  Milchprodukte direkt an die Haustür. Wem die heimische Herkunft der Waren wichtig ist, sollte nachfragen. Manchmal wird das selbst angebaute Angebot um Zugekauftes vom Großmarkt ergänzt. Auch bei der solidarischen Landwirtschaft kommen Erzeuger und Konsumenten direkt zusammen. Die Verbraucher sind hier ein bisschen selber Bauer: Sie entscheiden gemeinsam, was angebaut wird, und tragen die Kosten. Dafür werden sie das ganze Jahr über mit Gemüse und anderen Hoferzeugnissen versorgt. Der Birkenhof in Egelsbach wirtschaftet so, die Mitglieder holen sich ihre Anteile im zentralen Depot beim HoffART-Theater Darmstadt ab. Infos: www.solawi-darmstadt.de Wer noch tiefer ins Metier  von Jäten und Ernten einsteigen will, wird vielleicht zum Kleingärtner. Oder er pachtet sich  einen Saisongarten, zum Beispiel am Hofgut Oberfeld in Darmstadt. Im Frühjahr übernimmt  man die vorbereitete Parzelle Land. Eine bunte Mischung von Gemüsesorten und Kräutern steckt dann bereits als Samen oder Setzlinge in der Erde. Bis zum Spätherbst heißt es dann gießen, jäten, hacken und ernten! Saisonal und regional ist hier selbstverständlich, dazu ist das Arbeiten mit Erde für viele Familien ein willkommener Ausgleich zum Alltag.

Essen gehen

Ihr wollt Euch mal außer Haus mit Leckerem verwöhnen lassen? Auch da ist Regionalität im Trend. Viele Restaurants setzen auf heimische Produkte bei den Zutaten. Wer auf der Suche nach neuen Ausgeh-Ideen ist, kann einen Blick in die Restaurantempfehlungen der Slow-Food-Gruppen Odenwald und Frankfurt werfen. Die Slow-Food-Bewegung stammt  ursprünglich aus Italien und setzt sich für gute, saubere und faire Lebensmittel sowie genussvolles, bewusstes und regionales Essen ein. Infos: slowfood.de (→ „Slowfood vor Ort“   → „Odenwald“ bzw. „Frankfurt/Main“). Ob im Landgasthof kredenzt, selbst geerntet, frei Haus geliefert, direkt abgeholt oder beim Laden um die Ecke erstanden: Wer auf  Lebensmittel aus der Region setzt, wird mit Frische und Authentizität belohnt und kommt – gerade jetzt im Sommer – in den Genuss der ganzen Vielfalt heimischer Früchte.

Direktanbieter finden

Frimeo App

Verbraucherzentrale Hessen

BUND Darmstadt

www.odenwaelderdirektvermarkter.de

www.hessischedirektvermarkter.de

Label für Regionalität

Regionalfenster: Sorgt seit 2014 für Transparenz bei Obst und Gemüse, Fleischwaren und  Molkereiprodukten. Gibt an, woher die Zutaten stammen und wo sie verarbeitet wurden, mit eindeutiger Definition der Region.

Landmarkt: Marke der Vereinigung der Hessischen Direktvermarkter e.V. Produkte werden auf Wochenmärkten, in Hofläden und in ausgewählten REWE-Märkten in Hessen verkauft.

Geprüfte Qualität – Hessen: Zeichnet Nahrungsmittel aus, die ganz (Monoprodukte wie  Gemüse) oder mindestens mit ihrer Hauptzutat (Verarbeitetes wie Wurst) aus Hessen  stammen.

Bio aus Hessen: Produkte mit diesem 2-in-1-Siegel sind nach den Richtlinien für  ökologische Landwirtschaft erzeugt und stammen aus Hessen.

Weitere Regionalinitiativen deutschlandweit finden: regioportal.regionalbewegung.de