Jedes Jahr nach dem Weihnachtsfest nimmt man sich vor: „Nächstes Jahr gestalten wir es stressfreier.“ oder „Wir Erwachsenen schenken uns nichts“…. und dann kommt es doch immer wieder anders.

Wir haben es gerne perfekt: die Geschenke, das Festtagsmenü, die Weihnachtsdekoration. Aus Feiertagslust wird schnell Feiertagsfrust.

Oft beginnt der Stress schon lange im Vorfeld. Die vorweihnachtlichen Termine reihen sich wie eine Perlenkette aneinander. Eben noch auf viel zu kleinen Stühlchen im Kindergarten gekauert, schon sitzt man in einer zugigen Sporthalle und schaut der Handballjugend zu. Am Wochenende trifft man sich zum Weihnachtsvorspiel der Musikschule. Verstohlen wischt man sich vor lauter Rührung drei Tränchen von der Wange, wenn die eigenen Kinder engelsgleich in ihren – kurz vorher noch aus der voll gedrängten Klamotten-Abteilungen schnell besorgten Glitzerkleidchen – ihre Töne auf der Blockflöte suchen. Abends hechtet man zur Weihnachtsfeier in der Firma, um während langatmigen Festansprachen schnell auf dem Smartphone die letzten Geschenke bei namhaften Onlinehändlern zu ordern.

Kein Wunder, dass man am Heiligen Abend erschöpft unter dem selbstgeschlagenen Tannenbaum sitzt, sich müde lächelnd über den getöpferten Briefbeschwerer des Sohnes freut, angespannt dem Blockflötenspiel der Tochter lauscht. Spätestens jetzt stellt sich die Frage:

Wie komme ich aus diesem Weihnachts-Hamsterrad raus?

Die gute Nachricht: es geht sehr vielen Eltern so. Insbesondere Mütter, fühlen sich ausgelaugt und zerrieben zwischen den verschiedenen Ansprüchen und Anforderungen von außen (Arbeitgeber, Familie, Umfeld) und den eigenen Anforderungen und perfektionistischen Ansprüchen, gepaart mit einer Portion schlechtem Gewissen, getrieben von dem Gefühl „es ist noch nicht gut genug“. Unrealistische Leitbilder à la Heidi Klum: „Vier Kinder, erfolgreich UND sexy“ tragen ihr Übriges dazu bei.

„Mental Load“ erklärt das Phänomen sehr eindrücklich: es ist nicht die Haus- und Familienarbeit, die Mütter erschöpft. Es ist die Arbeit in ihren Köpfen, die nicht vergessen werden darf: offene Rechnungen, Kinderarzttermine, Sport/Musikunterricht, wer ist welchem Kindergeburtstag eingeladen, die Einkäufe, den Klamottenbestand der Kinder, die Arzttermine für den Hund, Impfungen, Geburtstage in der Familie und vieles mehr.

Der Kopf ist PERMANENT überfüllt, ähnlich eines Computers, der zu viele Tabs geöffnet hat und dann wegen Überlastung abstürzt.

Es ist hilfreich, die eigene Überforderung anzusprechen und sich dazu zu bekennen. Es ist sogar sehr wichtig. Die, die es aussprechen und sich Unterstützung holen, ebnen den Weg für viele andere. Es ist ein Märchen, „dass alle anderen es doch auch hinkriegen“. Die Burnout-Erkrankungen von Müttern steigen und das Leid von betroffenen Familien ist groß.

Es muss eben nicht der selbstgebastelte Adventskalender sein, der selbstgebackene Stollen, das perfekt geschmückte Haus, der Fotokalender für die Verwandtschaft, um Weihnachten zu einem würdigen Fest zu machen.

Zunächst hilft es, sich diesen Stress bewusst zu machen, um dann Innezuhalten, Durchzuatmen und für kleine Momente – vielleicht bewusst bei einer Tasse Tee – runterzukommen. Schaffen Sie sich Inseln, in denen Sie kleine Pausen einlegen. Tiefes Atmen entspannt sofort und bremst das Gedankenkarussell für einen Moment. Schrauben Sie Ihren eigenen Perfektionismus herunter. Ein gekaufter Adventskalender kann genauso seinen Zweck erfüllen. Verteilen Sie Aufgaben in der Familie, lassen Sie den Weihnachtsbaum von Mann und Kindern schmücken. Specken Sie Erwartungen ab – die eigenen und die der anderen. Sprechen Sie offen und ehrlich in der Familie über Ihre Wünsche und Vorstellungen und legen Sie gemeinsam das Ziel fest.

Schöne, entspannte Weihnachten!

Ein Beitrag von Viola Schad

 

Viola Schad

beziehungsweise

Praxis für Elterncoaching & Familienberatung
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