Frau Dr. Lippert, welche sind die häufigsten Gründe, warum Eltern mit ihren Kindern in die Notaufnahme kommen?
Häufig geht es rund um das Thema Fieber: hohes Fieber, lang anhaltendes oder unklares Fieber oder Fieberkrämpfe. Danach folgt das Thema Atemnot: also Pseudokrupp, Bronchitis, Asthma oder, in selteneren Fällen, auch eine Pneumonie (Lungenentzündung). Die meisten Infekte entstehen durch Viren (z.B. RSV, Influenza…), seltener sind Bakterien die Ursache. Außerdem kümmern wir uns natürlich um Unfälle aller Art. Oft haben Kinder eine Gehirnerschütterung. Natürlich sehen wir auch Bauchschmerzen mit Verdacht auf eine Blinddarmentzündung, vor allem bei Schulkindern.
Laut Robert-Koch-Institut passieren die meisten Unfälle bei Kleinkindern zwischen ein und vier Jahren im eigenen Zuhause (62,9 Prozent). Was ist ein typisches Szenario?
Klassiker sind etwa der Sturz aus dem Boxspringbett der Eltern oder der Sturz vom Wickeltisch. Auch Stürze von der Treppe oder vom Tripp-Trapp-Stuhl sind keine Seltenheit. Typisch sind darüber hinaus Verbrühungen durch heiße Flüssigkeiten. Ein sehr ernstzunehmender Zwischenfall im Haushalt ist das Verschlucken einer Knopfzellbatterie, wie man sie in Spielzeug oder Fernbedienungen findet. Kinder, die eine solche Batterie verschlucken, sollten umgehend in der Notaufnahme vorgestellt werden!
Typisch in der kalten Jahreszeit: Verbrühungen durch Inhalieren. Was wären die ersten Maßnahmen?
Die betroffenen Hautstellen sofort mit kaltem, klarem Wasser kühlen. Das Kind darf ein Schmerzmittel bekommen und sollte danach kinderärztlich vorgestellt werden.
Manchmal gibt es lange Wartezeiten in der Notaufnahme, die Eltern oft große Sorgen machen. Wonach richtet sich die Reihenfolge, in der die Patienten und Patientinnen drankommen?
Nachdem Eltern ihr Kind in unserer Notaufnahme angemeldet haben, führt unser medizinisches Fachpersonal eine so genannte „Triage“ durch. Eine Art Ampelsystem legt fest, wie schnell das Kind ärztlich gesehen werden muss. Gleichzeitig erfolgt schon hier eine medizinische Einschätzung und Behandlung der kleinen Patientinnen und Patienten durch das Fachpersonal (etwa mit Fiebersaft). Die eiligsten Notfälle (rot) kommen zuerst an die Reihe – egal, wann sie eintreffen. Der Zeitpunkt der Ankunft ist in der Notaufnahme weniger wichtig, als die Erkrankung. Daher kann eine längere Wartezeit manchmal ein gutes Zeichen sein, auch wenn wir immer versuchen, diese so kurz wie möglich zu halten!
Was sind Ihre Verhaltenstipps, wenn doch ein Unfall passiert?
Das Wichtigste ist immer, zuerst einmal Ruhe zu bewahren und sich einen ersten Eindruck von der Verletzung des Kindes zu machen. Wenn das Kind ernstzunehmend verletzt oder sein Bewusstsein beeinträchtigt ist, ist es angebracht, den Rettungsdienst zu alarmieren. Der bringt das Kind auf schnellstem Wege in unsere Notaufnahme.
Haben Sie Tipps für die Notfall-Tasche: Was sollten Eltern in der Notaufnahme immer dabei haben?
In erster Linie ihr Kind! Das ist kein Witz, es gab schon Eltern, die alleine zu uns kamen. Außerdem hilft alles, was das Kind beruhigen, beschäftigen oder ablenken kann: das Lieblingskuscheltier, das Lieblingsbuch oder auch eine Audio-Geschichte, die das Kind während der Wartezeit hören kann.
Vielen Dank für das Gespräch, Frau Dr. Lippert.
ENTSCHEIDUNGSHILFE FÜR ELTERN
Wann zum Bereitschaftsdienst? (Tel. 116 117)
Grundsätzlich gilt: Ist das Kind krank und die Eltern würden tagsüber zur Kinderarztpraxis fahren, sollten sie außerhalb der Öffnungszeiten den Kinderärztlichen Bereitschaftsdienst aufsuchen.
Versorgt werden hier unter anderem leichtere Fälle mit Fieber, Husten und Schnupfen, Magen-Darm-Infekte, Ohr- und Halsschmerzen oder Rücken- und Bauchschmerzen. Fachärzte und -ärztinnen für Kinder- und Jugendmedizin sind vor Ort und können die jungen Patienten unmittelbar versorgen.
Sollte eine weitere Diagnostik nötig sein, überweist der/die diensthabende Arzt/Ärztin die Kinder in die Klinik. Der Vorteil: der Fokus liegt hier auf der ambulanten Versorgung, was bedeutet, dass die Wartezeiten in der Regel für Eltern und Kinder kürzer sind und alles deutlich schneller gehen kann.
Wann in die Darmstädter Kinderkliniken?
Hatte das Kind einen Unfall oder befindet sich in einem akut lebensbedrohlichen Zustand, wählen Eltern den Notruf (112) oder suchen die nächstgelegene Notaufnahme auf. Hierzu zählen Fälle wie Atemnot, starke Blutungen, Verbrennungen, Vergiftungen, Krampfanfälle oder blutiger Stuhl/Urin. Die Notaufnahme ist auch dann die erste Anlaufstelle, wenn das Kind schlecht ansprechbar ist oder lethargisch und schläfrig wird. Hier geht alles nach Dringlichkeit und schwere Fälle haben Vorrang!
Bei Verdacht auf Knochenbrüche
abends und in der Nacht (nach 16.30 Uhr) fahren Eltern direkt in die Ambulanz des Alice-Hospitals oder ins Klinikum Darmstadt.
Frau Dr. Lippert, welche sind die häufigsten Gründe, warum Eltern mit ihren Kindern in die Notaufnahme kommen?





