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Darmstadt / Südhessen

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Tanzen für Kinder

Get into the Rhythm

Ein Beitrag von Monika Klingemann

Dass Tanzen für ältere Menschen unschätzbare Vorteile hat, haben wir vermutlich alle schon gehört: Gedächtnistraining, Erhalt der Beweglichkeit, soziale Kontakte und vieles mehr. Wahrscheinlich noch viel stärker können aber Kinder von diesem wunderbaren Hobby profitieren.
Musik, Bewegung und Gemeinschaft sind die Zutaten des Tanzens. Und sie sorgen dafür, dass sich die meisten Kinder dafür begeistern. Spaß haben, ausgelassen sein, den natürlichen Bewegungsdrang ausleben – das geht besonders gut zu ansprechenden Rhythmen und eingängiger Musik in einer Gruppe. Auch Bewegungsmuffel und weniger sportbegeisterte Kinder entwickeln oft Spaß an Bewegung, wenn zur Lieblingsmusik getanzt werden darf.

Tanzen schult Körper und Kopf

Tanzen hat daneben aber noch eine Vielzahl weitere positive Effekte. Sinikka Cecconami-Schubert leitet die Kindertanzwelt bei der Darmstädter Tanzschule Bäulke. Sie bringt ein paar Vorteile prägnant auf den Punkt: „Tanzen schult Körperbewusstsein, Koordination, Kondition und Konzentration.“ Und in der Tat: Beim Bewegen zur Musik lernen Kinder den eigenen Körper mit all ihren Sinnen kennen und (ein)schätzen. Drehungen tanzen, das Gleichgewicht halten, sich im Raum orientieren – das gibt Bewegungssicherheit, die auch im Alltag nutzt. Ganz konkret wird dadurch oft die Haltung aufrechter, die Balance stabiler, die Gelenkigkeit besser. Besonders sportliche Tanzformen wie Rock’n’Roll oder Salsa sorgen für Muskel- und Kraftaufbau und mehr Ausdauer.

Mehr als bei vielen anderen Sportarten werden durchs Tanzen auch mentale und emotionale Kompetenzen geschult. Die Kombination von Musik und Bewegung stärkt die Wahrnehmungsfähigkeit und Ausdrucksfähigkeit, fördert Rhythmusgefühl und Musikalität. Wenn Kinder ihre eigenen Choreografien entwickeln oder zum Improvisieren angeregt werden, trainieren sie Kreativität und Fantasie – genauso wie Konzentrations- und Merkfähigkeit, wenn man sich komplexe Bewegungsabläufe einprägen und Schrittfolgen im Kopf behalten muss. Zugleich kann kreative Bewegung Stress und Angst abbauen. Das Erfolgserlebnis, eine Technik oder einen Tanz zu beherrschen und vielleicht sogar auf der Bühne Applaus dafür zu bekommen, macht stolz und stärkt das Selbstbewusstsein. Wer gelernt hat, sich vor Publikum zu präsentieren, profitiert auch außerhalb der Tanzfläche von einem sichereren Auftreten.

Mit Disziplin und Rücksicht gemeinsam zum Ziel

Schritt für Schritt arbeiten die Kinder auf ein Ziel hin. Und auch wenn zwischendurch die Bewegungen nicht klappen wollen oder die Durchgänge chaotisch scheinen: Am Ende steht die Aufführung oder eine gelungene Choreografie. So lernen Kinder, dass es sich lohnt, ausdauernd an einer Sache dranzubleiben – eine gute Schule für Disziplin und Durchhaltevermögen.
Tanzen findet in der Gruppe statt. Daher gewinnen Tanzkinder auch in sozialer Hinsicht: Sie lernen, dass eine Choreografie nur gut wird, wenn man regelmäßig dabei ist und sich alle an vereinbarte Regeln halten. Der Kontakt mit den anderen Kindern, die man an der Hand oder im Arm hält, hilft, Berührungsängste abzubauen. Gemeinsames Proben stärkt das Gemeinschaftsgefühl, manchmal entstehen dabei neue Freundschaften. Beim Tanzen muss man sich verbal und nonverbal miteinander abstimmen, aufeinander Rücksicht nehmen und einander vertrauen – ein ideales Lernfeld für Kooperationsfähigkeit und Sozialkompetenz.

Von klassischem Ballett bis zu Hip-Hop und Streetdance

Dabei ist es eigentlich zweitrangig, für welche Art von Tanz sich ein Kind entscheidet – da kann man ganz nach den persönlichen Vorlieben gehen. Ein klassischer Tanzstil wie Ballett oder Modern Dance, die Eleganz und Kreativität ausdrucksstark auf die Bühne bringen wollen? Oder Formen, die sich durch Rhythmus und Energie auszeichnen, etwa Hip-Hop, Jazzdance oder Rock’n‘Roll? Standard/Latein, Improvisationstanz oder etwas Traditionelles aus anderen Kulturen? Oft entdecken Kinder ihre Liebe zur musikalischen Bewegung in einer allgemeinen Kindertanz-Gruppe oder der tänzerischen Früherziehung. Die Angebote sind breit gefächert und decken die ganze Altersspanne vom Kleinkind bis zum Teenager ab. Ganz wichtig: Das Tanzen muss Spaß machen und spielerisch bleiben, auch wenn bald vielleicht ehrgeizigere Ziele im Raum stehen.

Das richtige Angebot finden

Wer für seine Kids Tanzmöglichkeiten vor Ort sucht, findet im Web viele Angebote. Die klassische Tanzschule, Tanzvereine oder auch Sportclubs bieten Kurse für Kinder in verschiedenen Altersgruppen an. Manche Schule hat sich auf bestimmte Tanzarten (Ballett, zeitgenössischer Tanz) spezialisiert, und auch in einigen Fitness-Studios können Kinder sich tanzend auspowern.

Bei der Auswahl sollte man auch die Qualität des Angebots in den Blick nehmen, empfiehlt Claudia Sauter, Dipl.-Bühnentanzpädagogin und im Vorstand des Deutschen Berufsverbands für Tanzpädagogik e. V.: „Die Bezeichnung Tanzlehrer oder Tanzpädagoge ist nicht geschützt. Schauen Sie sich daher die Schule gut an und fragen Sie, welche Ausbildung die Lehrkraft hat. Sie sollte auch tanzpädagogisch geschult sein und Fortbildungen vorweisen können.“

Hineinschnuppern und sich ausprobieren

Damit ein Kind das für sich Passende findet, muss es die verschiedenen Möglichkeiten kennenlernen und auch ausprobieren. Das geht besonders gut in einem Verein, der unter seinem Dach verschiedene Angebote bündelt, in Darmstadt zum Beispiel im Tanzsportverein Blau-Gold Casino. Kinder von drei bis 17 Jahren finden dort an zwei Standorten Gruppen von der tänzerischen Früherziehung über Jazz- und Video-Clip-Dance bis Lateintanz und Ballett. Der Verein hat auch Exklusives im Angebot, wie Rolf Tisler erklärt – er ist Schatzmeister und in der Nachwuchsarbeit engagiert. „Rock’n’Roll für Kinder und Jugendliche gibt es sonst nirgends in der Region. Noch ziemlich neu ist unsere Solo-Latein-Gruppe – hier tanzen die Tänzerinnen und Tänzer ohne Partner.“ Im Vereins-Tanzen sieht Tisler einige Vorteile: „Zu sehr moderaten Preisen können die Mitglieder alle Angebote parallel nutzen. Bei unserer großen Weihnachtfeier oder bei Aufführungen auf dem Spielfest im Herrngarten erhalten die Kinder eine Bühne, auf der sie sich gerne präsentieren. Wer ambitioniert ist, den unterstützen wir darin, auch auf Wettbewerben und Turnieren zu starten.“ Interessierte können vier Wochen kostenlos und unverbindlich in alle Angebote des Vereins hineinschnuppern, bevor sie sich entscheiden. „Und wer mehr Infos braucht: Auf der Vereins-Website blau-gold-darmstadt.de findet man meine Telefonnummer – einfach anrufen!“, rät Rolf Tisler. Und noch ein Tipp: Am 29. und 30. März richtet der Verein die Hessischen Landesmeisterschaften in den Solo Standard- und Lateintänzen in allen Altersklassen aus – hier kann man den neuen Trend-Tanzsport live erleben.

Und wenn ein Kind dann nach ausgiebigem Schnuppern das passende Angebot gefunden ist, stehen die Chancen gut, dass es seinem Hobby treu bleibt und auch als Jugendlicher und im Erwachsenenalter tanzt. Und sich dann vielleicht auch im höheren Alter damit fit hält – wer weiß?

Tanzspaß für Windelflitzer, coole Moves für Teens

Sinikka Cecconami-Schubert leitet die Kindertanzwelt der Tanzschule Bäulke in Darmstadt. Im fratz-Interview erzählt sie, wie es dazu gekommen ist und warum sie Tanzen allen Kindern ermöglichen will.

Die Tanzschule Bäulke ist die wohl ältesten Tanzschule Deutschlands. Sie sind selbst Teil dieser Tanz-Dynastie. Warum bieten Sie überhaupt Tanzen
für Kinder an?

Schon vor 20 Jahren habe ich festgestellt, dass Kinder einen großen Bewegungsdrang haben, dass sie sich gerne zu Musik bewegen, und zwar am liebsten gemeinschaftlich. Daher habe ich eine Kindertanz-Ausbildung gemacht und die Kindertanz-Abteilung gegründet. Auch heute noch gebe ich an sechs Tagen in der Woche Kurse und muss sagen: Mit Kindern ist es ein tolles Arbeiten. Sie sind unvoreingenommen und lassen sich mitnehmen, sie haben Fantasie und wollen kreativ sein.

Einer Ihrer Kinderkurse heißt „Windelflitzer“. Ab welchem Alter können Kinder tanzen lernen?

Tanzen ist für Jung und Alt, von klein bis groß! Als meine Neffen klein waren, haben wir gemerkt, dass es für kleine Kinder ab zwei Jahren aber gar keine Angebote gibt. Diese Lücke in Darmstadt wollte ich schließen. Das „Windelflitzer“-Konzept ist ein Tanz- und Bewegungsangebot, das Kinder zwischen zwei und drei Jahren mit einem Elternteil besuchen. Denn Tanzen lernen können Kinder ab etwas zwei Jahren, wenn sie stabil stehen. Die „Windelflitzer“ erfreuen sich wachsender Begeisterung und Nachfrage. Für die ganz Kleinen ab sechs Monaten und ihre Eltern gibt es unsere Krabbelgruppe, die mit Fingerspielen, Sitzreitern und mehr. Neugier auf Bewegung und Begegnung weckt und zum Entdecken der Welt einlädt.

Welche Tanzformen können Kinder bei Ihnen lernen?

Neben den Eltern-Kind-Gruppen bieten wir kreativen Kindertanz für Kinder ab drei Jahren an. Zu kindgerechter Musik, meist von deutschsprachigen Kinderliedermachern, stehen Tanzspaß und freies Bewegen im Mittelpunkt. Mit sechs bis acht Jahren geht es weiter mit „Dance4Kids“ – hier lernen die Kinder festere Choreografien mit dynamischen Hip-Hop- und Streetdance-Elementen. Die Kurse ab acht Jahren heißen bei uns „Dance4Fans“, das geht mehr in die Richtung Streetdance, Disco Dance und Hip-Hop und die Kinder können, wenn sie möchten, auch Wettbewerbe tanzen.

Gibt es ein Herzensprojekt, dem Sie sich besonders verbunden fühlen?

Mir ist es sehr wichtig, dass alle Kinder unabhängig von ihrem Elternhaus die Möglichkeit haben, Kindertanz zu machen. Über den Wohltätigkeitsclub Kiwanis, bei dem ich mich engagiere, gehen wir in Darmstädter Kindergärten und machen dort Bewegungsprojekte. Davon profitieren besonders die Kinder, die von zu Hause aus nicht die Chance haben, einen Kindertanzkurs zu besuchen.

„Du lebst,
solange
du tanzt.“

Ballettänzer Rudolf Nurejew

Außerdem liegt mir das Thema Inklusion am Herzen. Bei Bäulke gibt es eine Inklusions-Tanzgruppe für Menschen mit Beeinträchtigungen. Aber auch in den regulären Gruppen sind Inklusions-Kinder mit dabei. Sie sind eine Bereicherung und machen dabei oft enorme Entwicklungsschritte. Ich erinnere mich an ein kleines Mädchen mit einer Entwicklungsverzögerung und Bewegungseinschränkungen, das tanzen wollte. Es hatte im Kindertanzen aber nicht den Mut zum Mitmachen und saß lange nur schüchtern am Rand. Die Mutter hat uns ihr Vertrauen geschenkt und schließlich hat ihre Tochter mit vier Jahren angefangen zu tanzen. Heute ist das Mädchen 14 Jahre alt, tanzt Hip-Hop und steht auf der Bühne.

Ein Blick nach vorne: Was steht 2025 im Kalender?

Die Kindertanzwelt bei Bäulke wurde im September 2005 gegründet – vor 20 Jahren. Das wird das ganze Jahr gefeiert, zum Beispiel mit zwei großen Kindermaskenbällen am 1. und 3. März. Am 13. September kommt das Kinderlieder-Duo GroßstadtEngel zu Besuch für ein Mitmachkonzert – das ist unsere Jubiläumsparty, die für alle offen ist. Im November veranstalten wir als interne Feier für die Eltern eine große Bühnenshow mit den Kindern aus allen unseren Gruppen.

Die Kreativität herauskitzeln – Ballettunterricht heute

Ein Gespräch mit Dipl.-Bühnentanzpädagogin Claudia Sauter, Ballett-Werkstatt Darmstadt

Eelche Voraussetzungen sollten Kinder mitbringen, um mit Ballett zu starten?

Die Kinder sollten gerne tanzen und sich gerne zu Musik bewegen. Zunächst geht es um tänzerische Früherziehung, auf der später der Ballettunterricht aufbaut. Dort lernen die Kinder, ihre Grob- und Feinmotorik zu verbessern und entwickeln ein Raumgefühl: Wo ist vorne, wo hinten oder seitwärts? Auffällig ist, dass heue viele Kinder im Vergleich zu früher in ihrer motorischen Entwicklung hinterherhinken. Aber von dem großen, leeren Unterrichtsraum mit so viel freiem Platz sind alle fasziniert.

Wie profitieren Kinder speziell von Ballettunterricht?

Ballett ist ein künstlerischer Tanz. Fantasie ist ein wichtiger Aspekt; das ist ein Unterschied etwa zum Sport. Bei freien Aufgaben geht es darum, die Kreativität der Kinder herauszukitzeln. Es gibt viele Phasen, in denen die Kinder zur Ruhe kommen sollen; das fördert in besonderem Maße auch die Konzentration. Die klassische Musik im Training ist etwas, womit die Kinder im Alltag meist nicht in Berührung kommen. Bei einer kleinen Klassengröße erhält das einzelne Kind intensive Aufmerksamkeit von der Lehrkraft – das ist wichtig für eine sorgfältige Korrektur der Technik, gefällt den Kindern aber auch. Die Kinder lernen schon in der tänzerischen Früherziehung viel über Körperwahrnehmung. Wenn ein Kind nach zwei Jahren entscheidet, nicht weiter zu tanzen, wird es mit dieser Basis auch zu anderen Hobbys oder Sportarten einen leichteren Zugang haben.

Tanz und Bewegung in die Familie bringen

Tipps für zu Hause

  • Bewegungslieder, Kniereiter und Klatsch-Spiele kursieren seit Jahrzehnten in vielen Familien und geben schon ganz Kleinen musikalischen Input.
  • Eine eigene Choreografie zum Lieblingssong erfinden und in einer Show den anderen präsentieren.
  • Familientanzparty: An verregneten Sonntagen rhythmische Musik auflegen und gemeinsam tanzen – gerne improvisiert und unperfekt
  • Bewegungswürfel: Auf einen Würfel Tanz-Aufgaben schreiben („Dreh dich“, „Spring hoch“, „Kreise die Hüften“) – gut als Bewegungspause zwischen den Hausaufgaben.
  • Stopptanz: Musik abspielen und stoppen – alle bleiben wie eingefroren stehen.
  • Improvisation: Jeder in der Familie darf eine Bewegung vormachen, die anderen machen sie nach.
  • To-dos mit Tanz kombinieren, zum Beispiel beim Tischdecken hüpfen oder sich drehen.
  • Thementanz: Es muss ja nicht „Den Namen tanzen“ sein – aber wer kann wie ein Vogel flattern oder wie ein Löwe schleichen?

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