Im vergangenen halben Jahr war ich auf vier Beerdigungen.

Eine war die einer jungen Frau, erst 29 Jahre alt. Als Lilienfan wünschte sie sich, dass alle in blau, weiß oder mit Lilie zu ihrer Beerdigung kommen. Das taten wir. Ein blau-weißes Lilienmeer von Familie und Freunden nahm Abschied.

Auf dem Nachhauseweg traf ich eine Bekannte und war null in Plauderstimmung und da meine Kleidung nicht nach Beerdigung aussah, sagte ich ihr, dass ich gerade von einer komme – und so schwiegen wir gemeinsam an der Ampel.

In meiner Schulzeit starb unser Volleyballtrainer bei einem Verkehrsunfall. Seine Freundin, die gerade Abi machte, trug auf der Beerdigung eine schlabbrige Jeans und einen viel zu großen hellgrauen Pulli – es waren seine Sachen, die immer noch nach ihm dufteten. Damals bekam sie sehr viel Kritik für ihren „Aufzug“.

Meine Hebamme, Freundin und Nachbarin Iris starb vor vier Jahren über Nacht. Zu ihrer Beerdigung zog ich meinen alten Schwangerschaftsrock an, so fühlte ich mich ihr ganz nah.

Nach mehreren Garderobenchecks und Einkaufsbegleitungen fragte mich ein Kunde: „Würden Sie nächstes Mal mit mir die Kleidung meiner verstorbenen Frau aus dem Ankleidezimmer aussortieren – ich konnte es bisher nicht übers Herz bringen“. „Ja, das machen wir zusammen, Stück für Stück.“

Schlittenfahren auf dem Friedhof – zu Neujahr hatte es im Bergischen Land geschneit. Ich stapfte zur Kapelle hoch und neben mir sausten die Schlitten vorbei – was für ein schönes Bild zum Abschied meiner Patentante. 85 Jahre. RIP – ich habe ihr gelbe Blumen mitgebracht, eine Hommage an ihre blonden Locken.

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Kerstin Zimmer | Farb- & Stilberatung www.kleideglueck.de | Tel.: 06151 9678835