Aber welches Tier eignet sich fürs Kind?
Und wie kann man sich als Familie darauf vorbereiten?

Ein Pappkarton neben einem Altkleidercontainer in Braunshardt weckte im vergangenen Jahr die Aufmerksamkeit eines Passanten. Daraus waren fiepsende Geräusche zu vernehmen, der Mann öffnete den Karton und fand darin ein lebendiges Meerschweinchen. In dem sorgfältig mit Stroh ausgelegten Behelfsgehege lag neben einem Futternapf und einer Blechdose mit Kleingeld ein Brief, in dem in kindlicher Schrift die Bitte zu lesen war, man möge sich um das Meerschweinchen namens Wirbel kümmern, denn: „Mein Papa will es nicht haben.“

Viel Wirbel um „Wirbel“

Der Finder brachte das gepflegte und muntere Tier zur Kellerranch, einem Gnadenhof mit angeschlossenem Tierheim in Weiterstadt. Die Betreiber rührte das Schicksal von Wirbel – ebenso wie Menschen in ganz Deutschland, die über die sozialen Medien
davon erfuhren.

Mittlerweile hat das zweijährige Meerschweinchen ein neues Zuhause in Büttelborn gefunden. Warum das putzige Nagetier ausgesetzt wurde, bleibt ein Rätsel. Womöglich hatte die Familie vor der Anschaffung nicht ausreichend besprochen, was auf alle Beteiligten zukommt.
Vielen Tieren geht es so: Sie werden begeistert angeschafft, dann ändert sich die Lebenssituation der Familie, oder die Tierhaltung gestaltet sich in der Praxis schwieriger als angenommen. Im besten Fall werden sie dann im Tierheim abgegeben.

Immer mehr kranke Tiere kommen ins Tierheim

Im vergangenen Jahr kamen insgesamt 1457 Tiere ins Darmstädter Tierheim, am häufigsten waren es Hunde und Katzen. Darunter waren fast doppelt so viele Fund- wie Abgabetiere. Ein Teil der Fundtiere wurde vom Besitzer wieder abgeholt.

„Wenn die Halter selbst kommen, und wir nach dem Grund fragen, warum sie ihr Tier abgeben, hören wir am häufigsten, dass eine Allergie vorliegt“, sagt Tierarzt Christian Zentgraf. Das sei bisweilen eine Schutzbehauptung, vermutet der Tierheimleiter. „Unserer Erfahrung nach werden Tiere abgegeben, wenn sich die Lebenssituation der Besitzer ändert, wenn Familien auseinander gehen oder Paare sich trennen.“
Früher seien nach Weihnachten oder in der Urlaubszeit besonders viele Tiere im Tierheim gelandet. „Mittlerweile ist dies nicht mehr der Fall. Heute werden bei uns immer mehr kranke Tiere in der Vorweihnachtszeit abgegeben.“

Mit Herzlosigkeit habe das weniger zu tun, meint Zentgraf. „Viele unterschätzen, was ein Unfall oder eine Krankheit beispielsweise bei einem Hund kosten können.“ Das kann schnell überfordern. Darum empfiehlt Zentgraf auch unbedingt den Abschluss einer Krankenversicherung für das Haustier, zumindest für Hunde und Katzen.

 

Vor der Anschaffung gibt es Klärungsbedarf

Oft fehlt es am nötigen Wissen. Das findet auch Imke Kalbfleisch von der Kinder & Jugend Tierschutz Akademie Südhessen. Die ausgebildete Tierschutzlehrerin möchte bei Kindern das Bewusstsein für das Thema Tierschutz wecken und das Wissen dazu vertiefen.
Dabei geht es auch um den Umgang mit Haustieren, den sieben- bis zwölfjährige Kinder bei ihr in einem Workshop lernen können. Viele Kinder könnten sich nicht vorstellen, dass die Haltung eines Haustieres mehr bedeutet, als es regelmäßig zu füttern und mit ihm zu spielen. Auch dass es etwa für Meerschweinchen kein Hochgenuss ist, von großen Menschenhänden bedrängt zu werden, sei Kindern oft noch nicht bewusst. Manchen Eltern ebenfalls nicht. Sie sollten sich gut informieren, bevor sie sich für ein Haustier entscheiden.
„Eltern müssen vor allem mit ihren Kindern im Detail besprechen, was es bedeutet, sich ein Haustier anzuschaffen. Wer in diesem Zusammenhang welche Aufgaben haben soll, muss genau besprochen und geklärt sein. Spielt ein Familienmitglied nicht mit, sollte man von der Anschaffung eines Haustiers absehen,“ rät Imke Kalbfleisch.

Das Für und Wider

Bevor man ein Tier in der Familie aufnimmt, sollte man sich gründlich über dessen Bedürfnisse informieren und das Für und Wider abwägen, empfiehlt der Deutsche Tierschutzbund. Denn manchmal ist die Begeisterung bei Kindern für das Haustier am Anfang groß, später lässt das Interesse nach. Dann erst wird Eltern oft bewusst, dass ein Großteil der Versorgung – Füttern, Säubern oder Gassigehen – an ihnen hängen bleibt. Auch Urlaubspläne, unerwartete Kosten oder einfach die Anforderungen an eine artgerechte Haltung des Tieres können zum Problem werden.

Diese Fragen sollte man klären:

1. Wie viel Zeit können wir für unser Haustier aufbringen?
2. Welche genauen Aufgaben umfasst die Pflege?
3. Ist eine artgerechte Haltung in unserer Wohnsituation machbar?
4. Ist das Haustier mit den Kindern vereinbar?
5. Welche Anschaffungskosten muss man einkalkulieren?
6. Welche fixen Kosten fallen regelmäßig an?
7. Liegen eventuell Tierhaar- oder Federallergien bei Kindern oder Eltern vor?
8. Wer übernimmt die Betreuung während des Urlaubs?

 

Tierisch gut fürs Wohlbefinden

Mit einem Haustier erfüllen sich viele Eltern selbst einen Wunsch. Entweder, weil auch in ihrer Jugend ein Hund oder eine Katze ein treuer Begleiter war, oder weil sie sich als Kind sehnlich, aber vergeblich ein Haustier gewünscht haben.
So sind Haustiere besonders bei Familien mit Kindern beliebt. Laut Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e.V. (ZZF) lebt in rund 65 Prozent aller Familien mindestens ein Haustier. Am häufigsten ist es eine Katze. Sie ist das beliebteste Haustier, gefolgt vom Hund. In sieben Prozent der Haushalte leben Kleintiere, insgesamt sind es 6,1 Millionen Hamster, Meerschweinchen und andere kleine Vierbeiner.
Kinder können besonders von Haustieren profitieren, das ist wissenschaftlich erwiesen. Laut einer Untersuchung aus Großbritannien sind Kinder, die ein Haustier besitzen, selbstbewusster, verantwortungsvoller, zuverlässiger und einfühlsamer – vor allem, wenn sie mit Hund oder Katze zusammenleben.

Welches Haustier passt zu uns?

Den Alltag mit einem Haustier sollte man vorab „ausprobieren“, etwa, indem
man als Familie die Ferienbetreuung von Katze oder Meerschweinchen der Nachbarn übernimmt, oder vielleicht sogar den Hund von Freunden für ein paar Tage zuhause aufnimmt. Ein Besuch im Tierheim ist auch sinnvoll. Dort warten viele Tiere auf ein neues Zuhause, die erfahrenen Tierpfleger können helfen, den passenden Vierbeiner zu finden.

Hund
Auf der Wunschliste der Kinder steht ein Hund oft ganz oben. Tatsächlich sind Hunde gute Gefährten, vorausgesetzt man wählt die richtige Rasse oder einen gut einschätzbaren Mischling.
Aber: Ein Hund macht viel Arbeit. Bis zu drei Mal am Tag Gassi gehen, bei Wind, Wetter und spät abends raus müssen gehört zum Alltag. Verletzungen, Unfälle oder Krankheiten können schnell ins Geld gehen. Mit einem Hund müssen alle Familienmitglieder zurechtkommen. Und bei der Erziehung des Hundes sind die Erwachsenen gefragt.
Lebenserwartung ca. 14 Jahre
einmalige Kosten: Anschaffungspreis ca. 200 Euro (Tierheim) bis mehrere Tausend Euro (seltene Rasse, Hund vom Züchter)
Basiskosten: Napf, Körbchen, Leine, Spielzeug (ca. 60 bis 300 Euro Euro)
jährliche Kosten: Hundesteuer, Haftpflichtversicherung, Futter, Impfung, mehrmalige Entwurmung, Parasitenbehandlung (je nach Größe 750 bis 1200 Euro)
Sonderkosten: Tierarztbesuche bei Krankheiten, Kastration, Hundeschule

Katze
Katzen können sehr pflegeleicht sein, denn sie beschäftigen sich stundenlang alleine und müssen nicht Gassi geführt werden. Mit ihrem weichen Fell und dem Schnurren haben sie auch einen hohen Schmusefaktor. Zudem können Katzen allein gehalten werden. Dann sollten sie jedoch die Möglichkeit haben, nach draußen zu gehen. Aber: Katzen sind eigenwillig – darum müssen Kinder lernen, wann Streicheln unerwünscht ist. Sonst kann es schon mal einen Kratzer geben. Neben Futter und einer sauberen Katzentoilette brauchen Katzen auch Bespaßung und Streicheleinheiten.
Lebenserwartung ca. 16 Jahre
einmalige Kosten: Anschaffungspreis ca. 100 Euro (Tierheim) bis 2000 Euro (Rassekatze, Katze vom Züchter)
Basiskosten: Napf, Körbchen, Kratzbaum, Katzentoilette, Spielzeug, eventuell Balkonnetz, Katzentürchen, (insgesamt ca. 150 bis 500 Euro)
jährliche Kosten: Futter, Impfung, mehrmalige Entwurmung, Parasitenbehandlung, Einstreu, Katzentoilette (insgesamt ca. 700 Euro)
Sonderkosten: Tierarztbesuche bei Krankheiten und Verletzungen, Kastration

Kaninchen
Kaninchen sind die Kuschelstars unter den Haustieren und wegen ihres flauschigen Fells und des goldigen Aussehens sehr beliebt. In der Regel sind sie recht pflegeleicht, werden meist stubenrein und benötigen ausreichend Heu und Wasser, frisches Grünzeug und genügend Platz.
Aber: Kaninchen sind entgegen landläufiger Meinung keine geeigneten Haustiere für kleine Kinder, da sie kaum Schmerzempfinden äußern können. Außerdem mögen die wenigsten Hasen das Hochheben oder Herumtragen. Kaninchen brauchen viel Auslauf, handelsübliche Käfige sind dafür oft zu klein. Pro Tier sollte man zwei Quadratmeter Platz einrechnen. Auch Kaninchen sollte man mindestens paarweise halten.
Lebenserwartung ca. 10 Jahre
einmalige Kosten: Anschaffungspreis mindestens zwei Tiere à 25 Euro
Basiskosten: Gehege, Napf, Wasserflasche, Häuschen, Spielzeug, Heuraufe, Buddelkiste, zusätzliches Freigehege (insgesamt 100 bis 300 Euro)
jährliche Kosten: Futter, Heu, Nagehölzer, Stroh, Einstreu, Parasitenbehandlung, Krallenschneiden, Zähne kontrollieren, Ersatz von Zubehör (insgesamt ca. 690 Euro)
Sonderkosten: Tierarztbesuche bei Krankheiten oder Verletzung, Kastration (20 bis 200 Euro)

Meerschweinchen
Meerschweinchen stehen vor allem bei Kindern von 4 bis 14 Jahren hoch im Kurs. Sie werden nicht immer stubenrein, sind ansonsten aber pflegeleicht.
Aber: Meerschweinchen sind reine Beobachtungstiere und für Kinder nur bedingt geeignet. Denn anders als Hund und Katze können sie sich nicht wehren, wenn sie falsch angefasst werden, sondern verfallen als wehrlose Beutetiere in eine Art Schreckstarre. Sie wollen oft in Ruhe gelassen werden und fühlen sich am wohlsten, wenn sie Artgenossen um sich herum haben. Darum sollte man sich mindestens zwei Meerschweinchen anschaffen.
Lebenserwartung ca. 10 Jahre
einmalige Kosten: Anschaffungspreis mindestens zwei Tiere à 25 Euro
Basiskosten: Gehege, Napf, Wasserflasche, Häuschen, Spielzeug, Heuraufe, Buddelkiste, zusätzliches Freigehege (insgesamt 100 bis 300 Euro)
jährliche Kosten: Futter, Heu, Nagehölzer, Stroh, Einstreu, Parasitenbehandlung, Krallenschneiden, Zähne kontrollieren, Ersatz von Zubehör (insgesamt ca. 690 Euro)
Sonderkosten: Tierarztbesuche bei Krankheiten oder Verletzung, Kastration (20 bis 200 Euro)

Wellensittich
Wellensittiche werden mit viel Zuwendung handzahm, trällern lustig vor sich hin und sind hübsch anzuschauen. Für die Haltung ist ein ausreichend großer Käfig notwendig, auch Freiflugzeit muss eingerechnet werden. Aber: Wellensittiche sind (wie alle Ziervögel) Schwarmvögel und dürfen nicht alleine gehalten werden. Vögel sind nichts zum Anfassen, sie lassen sich eher beobachten und eignen sich deshalb eher für ältere, daran interessierte Kinder.
Lebenserwartung ca. 10 bis 15 Jahre
einmalige Kosten: Anschaffungspreis: jeweils mindestens zwei einer Art (2 Wellensittiche zu je ca. 40 bis 50 Euro)
Basiskosten: Voliere oder sehr großer Käfig (100 bis 450 Euro), Zubehör wie Futternapf, Wassernapf, Äste, Stangen, Bademöglichkeit, Klettermöglichkeiten (150 bis 500 Euro)
jährliche Kosten: Körner- und Frischfutter, Magengrit, ggf. Vogelsand (ca. 150 Euro)
Sonderkosten: Tierarztbesuch bei Krankheiten oder Verletzung

fratz im Interview mit Imke Kalbfleisch

„Das beste Haustier für Kinder? Eine Ratte!“

Hessens erste vom Tierschutzbund ausgebildete Tierschutzlehrerin, von der Kinder & Jugend Tierschutz-Akademie Südhessen

„Brauchen“ Kinder überhaupt Haustiere?

Sicherlich ist es zu begrüßen, wenn Kinder in einem Haushalt mit Tieren aufwachsen, um Empathie und Verantwortungsbewusstsein schon von klein auf zu lernen. Ein Tier zu besitzen, bedeutet Verantwortung zu übernehmen. Aber die Frage, ob Kinder ein Haustier brauchen, lässt sich nicht pauschal beantworten. Denn auch Kinder, die ohne Tiere in der Familie leben, können von ihren Eltern entsprechende Werte vermittelt bekommen.

Falls der Wunsch groß ist: Welche Tiere sind für Kinder geeignet?

Im Grunde genommen eignet sich die Ratte am ehesten für Kinder. Ratten sind dem Menschen gegenüber recht zugänglich, keine reinen Fluchttiere und intelligent. Wünscht sich ein Kind ein Tier, möchte es ja eigentlich etwas zum Kuscheln und Streicheln haben. Hier sind die Eltern gefordert, dem Kind zu vermitteln, dass ein Haustier kein Ersatz für ein Kuscheltier ist. Die Bedürfnisse der einzelnen Tierarten müssen klar vermittelt werden. Kaninchen oder Meerschweinchen zum Beispiel sind von Natur aus Fluchttiere, die der Berührung durch den Menschen aus dem Weg gehen möchten.
Natürlich gibt es da auch Ausnahmen, aber diese sind nicht die Regel. Hamster sind ebenfalls laut gängiger Meinung für Kinder ungeeignet. Sie sind nachtaktiv und schlafen tagsüber. Bei Hunden oder Katzen liegt die Verantwortung mehr bei den Eltern.

Was brauchen Haustiere, um tiergerecht zu leben?

Das kommt darauf an, um welches Haustier es sich handelt. Bei Kleintieren und Nagern, die lauffreudig sind, wird ein entsprechend großes Gehege benötigt. Die Gehege, die im Fachhandel zu kaufen sind, sind meistens zu klein und entsprechen nicht den Bedürfnissen der entsprechenden Tierart.
Hier ist es eher angebracht, selbst ein Gehege mit entsprechendem Freilauf zu bauen und sich vor allem im Vorfeld schlau zu machen, welchen Bedarf das gewünschte Tier hat. Bei Katzen und Hunden müssen ebenfalls die tierspezifischen Bedürfnisse bedacht werden. So ist es nicht angebracht, eine Katze ohne Freilauf alleine in der Wohnung zu halten. Ein Hund muss entsprechend seiner Rasse gehalten und beschäftigt werden. Es wäre unangemessen, einen Herdenschutz-Hund in einer Zweizimmerwohnung in der Stadt zu halten. Das bringt automatisch Probleme mit sich. Für alle
Beteiligten, vor allem aber für das Tier.

Was sind Probleme, die bei der Haustierhaltung in einer Familie auftauchen können?

Probleme entstehen, wenn man sich im Vorfeld nicht ausreichend informiert und ausgetauscht hat, was die Anschaffung eines Haustiers für die ganze Familie bedeutet. Angeschafft ist ein Haustier schnell. Kommen dann aber die ersten Konflikte, zum Beispiel wenn es ums Reinigen des Geheges, das Gassigehen mit dem Hund oder den ersten Urlaub geht, passiert es nicht selten, dass das Tier dann im besten Fall im Tierheim abgegeben wird, im schlimmsten Fall aber ausgesetzt wird.

Wie können sich Kinder auf ein Haustier vorbereiten?

Das ist sehr schwierig, da einfach der Weitblick und auch die Erfahrung an Verantwortungsbewusstsein über einen großen Zeitraum (nämlich ein Tierleben) noch fehlt. Kinder haben nur den sehnlichsten Wunsch, ein Haustier zu haben, mit dem sie kuscheln können. Hier sind die Eltern gefragt. Wichtig ist, dass die ganze Familie sich gemeinsam auf ein Haustier vorbereitet. Relevant ist auch das Alter der Kinder. Vor der Anschaffung müssen ganz klar die Zuständigkeiten und Verantwortungen der einzelnen Familienmitglieder besprochen und beschlossen sein. Vor allem muss jedem Familienmitglied bewusst sein, dass man mit der Anschaffung eines Haustieres eine Verantwortung über mehrere Jahre übernimmt.

Wie zwei australische Kaninchen nach Traisa kamen

Vor drei Jahren zogen die Heuers vom westaustralischen Perth ins hessische Traisa. Mit im Gepäck hatte die vierköpfige, deutsch-australische Familie zwei Zwergwidder-Kaninchen. Rund drei Flugtage und einen Zwischenstopp mussten Muffin und Binky hinter sich bringen, bis sie wohlbehalten am Frankfurter Flughafen ankamen. fratz hat mit Mutter Natalie Heuer gesprochen.

Warum haben Sie die Kaninchen nicht in Perth gelassen?

Muffin und Binky gehörten seit mehr als zwei Jahren zu unserer Familie. Unsere Töchter waren sieben und neun Jahre alt und hingen sehr an den Kaninchen. Und ich auch! Für uns war es ein großer Schritt, nach Deutschland zu gehen und wir wollten nicht alles zurücklassen. Unsere Tiere waren ein Stück Zuhause, das wir mitnehmen wollten. Außerdem hatten wir in Perth niemanden gefunden, der die beiden aufnehmen konnte.

Haben Sie sich vorher erkundigt, wie es für die Tiere ist, eine so weite Reise zu unternehmen?

Oh ja! Wir haben lange überlegt, ob es für die Tiere gut ist. Ich habe viel darüber gelesen und mit unserem Tierarzt gesprochen. Er kannte Muffin und Binky von klein auf und meinte, sie seien noch jung und sehr robust, darum könnte man ihnen die lange Reise zumuten. Aber natürlich war es eine schwere Entscheidung.

Wie haben Sie die Reise organisiert?

Das war ziemlich aufwendig. Wir konnten das nicht privat organisieren, sondern mussten ein darauf spezialisiertes Unternehmen beauftragen. Insgesamt hat das 1400 Euro gekostet. Aber das war es uns wert. Das Unternehmen hat alles arrangiert – von den benötigten Dokumenten und Impfpässen über die Einfuhrgenehmigung bis zur Buchung der Flüge. Voraussetzung war, dass die Kaninchen gesund sind. Sie wurden gründlich untersucht, ob sie für die weite Reise fit genug sind.

Wie sind Muffin und Binky gereist?

Montags wurden sie morgens um acht Uhr mit einem speziellen Kühltransporter für Tiere abgeholt und zum Flughafen nach Perth gebracht. Dort hat sie noch einmal ein Tierarzt untersucht, bevor sie in einer großen Transportbox in einem gesonderten Tierabteil des Flugzeuges untergebracht wurden. Kaninchen können keine Beruhigungsmittel nehmen, weil sie ständig fressen müssen.
Darum wurde darauf geachtet, dass sie in einem Bereich sind, wo keine anderen Tiere wie etwa Hunde ihnen Angst machen können. In Dubai hatten sie eine Zwischenlandung, wurden erneut vom Tierarzt untersucht und mussten dann mehr als 20 Stunden dort bleiben – das sind die Bestimmungen. Danach ging es wieder im Tierabteil nach Frankfurt, wo wir die beiden am Mittwochabend um
22 Uhr australischer Zeit abholen konnten. Aber erst, nachdem sie wieder genau untersucht worden waren.

Und wie ging es den beiden bei ihrer Ankunft?

Natürlich waren sie etwas durcheinander und wollten erst nicht aus ihrer Transportbox herauskommen. Aber sie waren wohlauf
und machten keinen verschreckten Eindruck. Sie sind im Januar gekommen, darum mussten sie sich erst an die Temperaturen gewöhnen. Denn sie hatten noch das australische Sommerfell und konnten nicht nach draußen in die Kälte. Sie waren aber gleich putzmunter, haben mit Genuss gefuttert und sind im Haus herumgelaufen. Nach einigen Wochen war auch dickeres Fell nachgewachsen, im Frühling konnten wir sie dann in den großen Auslauf im Garten bringen.

Das war vor drei Jahren – wie geht es den Kaninchen jetzt?

Sehr gut! Wir alle mussten uns zwar an die deutschen „Gefahren“ gewöhnen, denn hier gibt es Füchse und andere Tiere, die gefährlich werden können. Aber Muffin und Binky fühlen sich sehr wohl und sind rundum gesund. Auch an das Klima haben sie sich schnell gewöhnt. Wir werden nie vergessen, wie sie das erste Mal durch Schnee gehoppelt sind: Sie haben sich immerfort die Pfoten abgeschüttelt, weil sie das nasse, kalte Zeug seltsam fanden. Mittlerweile sind sie zu richtigen Outdoor-Kaninchen geworden. Wir sind sehr froh, dass sie bei uns sind!